Rezeptur und Inhaltsstoffe

Hätte sich die Rezeptur für Cola 1903 nicht geändert, so wären Flaschen mit dem Getränk heute eventuell nur bei einem der ortsansässigen Dealer zu kaufen. Zwar erwähnt beispielsweise die Coca Cola GmbH bei ihrer Kurzgeschichte zum Getränk nicht, dass tatsächlich einst Bestandteile der Kokapflanze Teil der Cola-Rezeptur waren, aber auch Zeit Online schrieb am siebten Juli 2005, dass Coca Cola — Urmutter aller Cola-Sorten — unter anderem aus Geschmackstoffen der Kolanuss und der Kokapflanze bestand, weshalb Coca Cola dann auch seinen Namen erhielt: Coca Cola eben! Wäre das alles noch heute so, hätte wohl kein offizieller Shop Cola im Angebot; Kokain passt dann doch eher schlecht ins Sortiment von Supermärkten. Als sich spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Ansicht durchsetze, dass Kokain vielleicht doch mehr ein Suchtmittel als Medizin sein könnte, flog das Suchtmittel aus den damals verwendeten Coca-Blättern raus.

So, damit hätten wir dann geklärt, was nicht (mehr) in Cola enthalten ist; ebenso nicht enthalten sind üblicherweise Erbsensuppe, Mäusemilch, Rotbarschfilet und H2S, also Schwefelwasserstoff, der sich weniger als Inhaltsstoff für Getränke eignet, dafür dank seines Duftes nach fauligen Eiern ideal für Stinkbomben taugt. Und nachdem wir nun endgültig geklärt haben, was nicht drin ist in der Cola, sollten wir jetzt auch ebenso endgültig zu dem kommen, was Cola enthält. Und da… bekommen wir dann auch schon ein Problem. Zum einen existieren ja neben der Coca Cola diverse andere Colasorten, die jeweils eine etwas andere Rezeptur besitzen; andererseits wird um das Coca Cola Rezept ja noch immer ein großes Geheimnis gemacht. 7*100 soll das Cola-Geheimrezept heißen, in einem Tresor soll es sich befinden, zu dem jeweils nur zwei Menschen auf der ganzen Welt Zugang haben, so sagt man. Man sagt so Vieles, nicht wahr?

Widmen wir uns also erst einmal den Zutaten und schauen wir uns die deutsche Coca Cola – Seite und Zutatenlisten auf Colaflaschen dafür an: Ganz oben auf der Zutatenliste des Unternehmens: Zucker! Dann folgt: Karamell, was ja auch irgendwie Zucker ist. Daneben wird noch Koffein genannt. Und dann gibt es natürlich noch Wasser (oh ja, Wasser ist da auch drin!), Aroma und… Phosphorsäure. Phosphorsäure in konzentrierter Form dient beispielsweise für Dünger oder aber Waschmittel. Allerdings müssen Sie nun nicht fürchten, dass Ihnen irgendetwas auf dem Kopf wächst, was da nicht wirklich wachsen sollte, Getreide etwa oder Mais, leider allerdings — das für alle, die an Haarausfall leiden, als schlechte Nachricht — auch keine Haare. Phosphorsäure in niedrigerer Konzentration ist relativ harmlos, allerdings warnen Zahnärzte vor übermäßigem Trinken von Cola, da es das Risiko von Karies erhöht. Unschön, so etwas! Beispielsweise zitiert das Magazin „Focus“ in einem „Die Wahrheit über Cola“ titulierten Artikel vom achten Oktober 2008 den stellvertretenden Bundesvorsitzenden des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte Ullrich Rubehn: Die Phosphorsäure — so sagt er laut Focus — löse das Kalzium in den Zähnen, greift den Zahnschmelz an und erhöht die Kariesgefahr. Wirklich unschön, so etwas! Eventuell hat sich Red Bull deshalb entschieden, eine Cola ganz ohne Phosphorsäure auf den Markt zu bringen? Weil dann doch irgendwie diese Phosphorsäure einigen Menschen Sorgen bereitet? Coca Cola konterte den Markteinstieg von Red Bull Cola mit dem Hinweis darauf, man werde die Nummer Eins bleiben. Aber unter Umständen sollte man diese Red Bull Cola dann doch nicht so ganz auf die leichte Schulter nehmen? Immerhin verleiht Red Bull Flügel und es ist schön, Flügel zu haben.

Kommen wir doch noch einmal zum Thema Zucker: Während die allermeisten Bestandteile einer echten Coca Cola überall auf der Welt gleich sind, haben die Hersteller auf einzelnen Kontinenten bei der Auswahl des Zuckers wohl mehr Spielraum: Während etwa Europäer — so ein Wikipedia-Artikel — vor allem Zucker aus Rüben nutzen, nehmen Asiaten Rohrzucker und Amerikaner den Zucker aus dem Sirup des von ihnen so geliebten Mais. Insgesamt — so die Coca Cola GmbH —enthalten 100 Milliliter Coca Cola 10,6 Gramm Zucker, was dann bei einer Literflasche bereits 106 Gramm macht und bei zehn Literflaschen dann… na… richtig… 1060 Gramm! Machen Softdrinks wie Cola also fett? Zitieren wir erneut einen Artikel aus der Zeitschrift Focus, dieses Mal einen vom 12. Mai 2005. Dieser Artikel wiederum zitierte die im Fachmagazin „Journal of Pediatrics“ veröffentlichte Studie eines Wissenschaftlers mit Namen Robert Murray. Zwei Dosen mit Softdrinks gehörten damals — so Murray — zum Tagespensum typischer US-Kids. Das entspricht dann 20% Zuckeranteil an der Menge von Kalorien, die die Kinder täglich zu sich nehmen und das — so Focus — sind 100% zuviel. Aber genug; kehren wir jetzt noch einmal zurück zur offiziellen Angabe über die Inhaltsstoffe: Da taucht dann auch (siehe oben) das Wort Aroma auf; „Aroma“ ist so ein Füllbegriff wie „und Anderes“ oder „Sonstiges“ und steht als Variable für allerlei Zeug. Auf der Seite Experimentalchemie.de wird ein Versuch beschrieben, mit dem die Inhaltsstoffe von Coca Cola ermittelt werden sollen: Das Ergebnis sind die bekannten Zutaten Wasser, Zucker, Kohlensäure, Farbstoff E 150, Phosphorsäure, Koffein und Aromastoffe, die hier auch einen Ursprung bekommen: Hergestellt sein sollen sie aus Ingwer, Orangenblüten, Johannisbrot, Limettenschalen und Extrakten der Cola-Nuss. Widmen wir uns noch einmal Wikipedia: Der Artikel dort über Cola im Allgemeinen nennt als Geschmacksstoffe Kolanuss, Zimtöl, Zitrone, Vanille, Nelkenöl; daneben als Bestandteile der Rezeptur, die ab und an ebenfalls ins Gespräch kommen: Korianderöl, Limettenöl, Ysopkraut, Kalmus-Tinktur und Mazisblüten. Glaubt man übrigens einem Artikel aus dem Magazin EU.L.E.n – SPIEGEL des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V. aus dem Jahr 1998 (6/1998), so ist auch ein Extrakt der Muskatnuss am Geschmack von Coca Cola beteiligt. Es soll die Wirkstoffe Myristicin und Elemicin enthalten, die der Körper zu Amphetaminen umbaut, die wiederum chemisch Ecstasy ähneln. Würde das stimmen, so wäre das Getränk dann fast doch schon wieder eine Sache für den Dealer.

Mephisto Cola - Die teuflisch gute Erfrischung

WoMarKo